Wikipedianer mit Redaktionsausweisen?

9. Februar 2007

Entwurf RedaktionsausweisAn einer spannenden Idee werkelt momentan Carl. Ausgehend vom Konzept der Redaktionen in der Wikipedia, das im Frühjahr 2006 eingeführt wurde, stellt er auf seinen Benutzerseiten Überlegungen zu WP-Redaktionsausweisen an. Diese sollen Autoren – getrennt nach Fachredaktionen – bei der ehrenamtlichen Arbeit an Artikeln unterstützen.

Er schreibt dazu: „Es gibt viele Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen, die WP unterstützen wollen. Obwohl jeder persönliche Kontakt persönlich ist, richtet sich die Unterstützung aber auf die Enzyklopädie. Wenn es einen WP-Ausweis gibt, ist ein Unterstützer nicht auf persönliche Bekanntschaft mit einem einzigen Mitarbeiter angewiesen. Das kann insbesondere bei Angeboten über kostenlosen Zutritt und Fotoerlaubnis in Museen, botanischen Gärten, Tierparks, Theatern und auch bei Betriebsbesichtigungen und Lokalterminen nützlich sein.“ (1)

Potential zur Professionalisierung der Recherche bietet die Idee reichlich. Absehbar sind allerdings schon die beiden Hauptkritikpunkte:

  • Ähnlich wie bei allen anderen „Auszeichnungen“ einer überschaubaren Benutzergruppe wird es auch bei Ausweisen Verteilungskämpfe und Missgunst sowie Fundamentalopposition zu jeglicher Art der Ausweisvergabe innerhalb der Community geben.
  • Vor allem Betriebsbesichtigungen, die von Carl ebenfalls als „Profihilfe“ vorgeschlagen werden, gelten einigen Wikipedianern – wie in einer Diskussion im Portal Film bereits anklang – als „zweifelhafte Werbeaktionen“.

In seinem Vorschlag geht Carl auf Unterschiede zu Presseausweisen und Vereinsausweisen des deutschen Wikimedia-Vereins ein. Interessant dürfte ferner ein Vergleich mit dem gescheiterten Akkreditierungsansatz von Wikinews sein.

Ganz neu ist die Idee der WP-Redaktionsausweise nicht. Ob es geschickt war, sie jetzt durch einen augenscheinlich neuen und vorwiegend daran arbeitenden Benutzer bekannt zu machen, wird sich zeigen. Erfahrungsgemäß wird eher mit Vorbehalten reagiert, wenn größere Neuerungen von Unbekannten vorgeschlagen werden. Auch der Vermischungsgrad mit damit gar nicht zusammenhängenden Diskussionen ist dann höher. Mit einem lästigen Ausufern der Redaktionsausweisdiskussion ist also zu rechnen.


Sonntag ohne neue Artikel?

6. Februar 2007

Leser mit Lupe (AS-Illustration)Die zweite Ausgabe des artikelfreien Sonntags in der Wikipedia am 4. Februar 2007 ging ziemlich ruhig über die Bühne.

Ziel dieser auf Freiwilligkeit beruhenden Idee ist es, das stetige Artikelwachstum der deutschsprachigen Wikipedia „zu bremsen und sich weniger auf die Anlage neuer Artikel, als auf die Verbesserung der bereits bestehenden Artikel zu konzentrieren“ (1) – mithin ein Projekt zur Qualitätssteigerung.

Eine nennenswerte Reduzierung der neuen Artikel konnte an diesem Tag nicht verzeichnet werden. Dem wikipediainternen Projektblog lässt sich jedoch entnehmen, dass in vielen Bereichen konzentriert an lange überfälligen Verbesserungen gearbeitet wurde. Wenn auch weniger Personen als beim ersten Mal mitgemacht haben, so darf doch die nachlesbare Zusammenarbeit und die gegenseitige Motivation der Beteiligten als vorbildlich gelten.

Die erste Aktion dieser Art Anfang Dezember 2006 sorgte noch für gehörige Unruhe und vor allem für viel Geschrei. Das sich diese Aufregung im Nachhinein – quasi wikipediaüblich – als hochgradig überflüssig herausstellt, ist durch den zweiten Sonntag anschaulich geworden.